Begeisterung sieht anders aus

Begeisterung sieht anders aus - Kalt gelassene ChemnitzerIm Moment begibt sich die Kommunistische Partei im Reich der Mitte auf die Suche nach einer neuen Galionsfigur. Tausende Delegierte treffen sich in den heiligen Hallen des Friedens und entscheiden, was die nächsten 5 Jahre bringen werden. Doch davon tritt kaum etwas an die Öffentlichkeit. Still und heimlich, konzentriert und zügig wird gewählt, beschlossen, entschieden. Ganz anders der große Kombatant im Westen (bzw. Osten – je nach Aufbruchsrichtung). Hier wurde bis vor einer Woche das Innerste nach Außen gekehrt. Jeder Schritt medial verarbeitet, kommentiert und dokumentiert. Nichts geschah in dunklen Hinterzimmern. Selbst in die Wahl der Garderobe war der mündige Bürger involviert. Das hat System: Alle machen bei allem mit. Alle sind politisch aktiv. Jeder klingelt an des Nächsten Tür, um ihn von der eigenen Meinung zu überzeugen.

Und nur so lässt sich wohl die Begeisterung für einen Wahlkampf erklären, der nicht im eigenen Land stattfindet. Weit über die Landesgrenzen hinaus bis kurz vor die Chinesische Mauer ließen sich die Menschen in den Bann zweier Amerikaner ziehen, die Präsident eines fernen Landes werden wollten. Lang bevor die Wirte ihre Wahllokale schlossen geschweige denn öffneten, war die Begeisterung groß. Besonders nach dem deutlichen Sieg von Barack Obama schwappte eine Welle der Freude zu uns hinüber. Alle sind seit dem aus dem Häuschen, wenn nicht sogar aus dem Haus, und jubeln einem Präsidenten zu, der an der eigenen Steuerlast nichts zu verändern mag. Menschen tragen T-Shirts von einem Mann, dem es schier egal ist, ob hierzulande eine PKW-Maut eingeführt wird oder nicht, oder ob der ein oder andere Politiker zu viel für seine Vorträge in Rechnung gestellt hat.

Aber genau diesen Sachverhalt haben die Karl-Marx-Städter durchschaut! Ob Barack Obama, Mitt Romney oder Baritt Romama – für die Stadt ändert sich nichts. Wird sich der neue Präsident für ein neues Stadion stark machen? Nein! Kümmert sich Obama um den Parkplatzmangel auf dem Kaßberg? Nein! Und hat er eine Lösung für das Pflastersteinproblem auf dem Markt in petto? Niemals! So verwundert es auch kaum, dass die Bürger im Moment der Bekanntgabe der Wahlentscheidung keines Falls in Jubel ausbrechen. CNN meldet den Wahlsieg Obamas aber die Bürger lässt das kalt. Denn Sie wissen: Jeder kehrt vor seines eigenen Tür, wenn überhaupt. Und so geht die Obamania an Karl-Marx-Stadt spurlos vorbei.

Falk Sieghard

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