Chemnitz vor dem Kollaps?

Chemnitz vor dem Kollaps - Ausfall Parkleitsystem nur der Anfang

Seit einigen Tagen muss man sich in der Stadt wieder allein, ganz ohne technische Unterstützung, auf Parkplatzsuche begeben. Denn das Parkleitsystem ist ausgefallen. Und das bleibt wohl auch so! Es gibt nämlich keine Ersatzteile mehr. Die technische Fortschrittsuhr tickt einfach schneller. Über 10 Jahre hat das 2003 in Betrieb genommene System durchgehalten. Das ist aus heutiger Sicht eine lange Zeit. Denn wer hat schon noch sein Handy von damals. Oder seinen Fernseher. Oder das Auto. Länger als 3 Jahre halten technische Gebrauchsgegenstände heutzutage nicht mehr. So also auch das Parkleitsystem von Chemnitz.

Allerdings war man nicht darauf vorbereitet. Und so irren nun Parkplatzsuchende verzweifelt und planlos in der Stadt umher, parken wild in Parks und halten verwirrt an Haltestellen – verbotener Weise. Stellt sich die Frage: Was wird, wenn noch mehr solcher Systeme ausfallen? Was wurde alles vor 2003 gebaut und könnte jeden Moment zusammenbrechen? Es zeigt sich, dass die Anzeige freier Parkplätze bei weitem nicht der einzige Gefahrenherd ist. Vieles in der Stadt ist beinalt.

Vieles ist älter als das kaputte Parkleitsystem

Der Nischel zum Beispiel. Der ist alles andere als taufrisch. Man stelle sich nur einen Defekt im Sockel vor. Dann läge ein apper Kopf dort, wo in letzter Zeit sich immer wieder Tausende zu lautem “Yeah, Yeah, Yeah” zusammenrotten: Banged Head statt head-bang!

Noch viel brenzliger ist die Sache bei der Straßenbahn. Auch diese Technik ist weit mehr veraltet als das defekte Parkleitsystem. Vor allem die Steuerung macht den Betreibern zu schaffen. Oben in Adelsberg, im Hauptsitz der CVAG, stehen 6 Trafos. Einer für jede Straßenbahnlinie. Das System ist aus den 60er Jahren und läuft jeden Tag am Anschlag.

Schon längst ist eine Umstellung von analog auf digital geplant. Doch das Geld fehlt. Dieser Schritt wäre jedoch wichtig, nicht nur für die Planungssicherheit der Straßenbahn. Die Analoge Technik hat einen gravierenden Schönheitsfehler: Über den Trafo wird die komplette Linie angesteuert! Entweder es fließt Strom, oder es fließt kein Strom. Der Trafo kann also nicht zwischen verschiedenen Fahrzeugen unterscheiden. Es funktioniert genau so, wie man es von einer altmodischen Modelleisenbahn kennt. Der normale Fahrgast merkt das nicht, aber hält eine Bahn, halten alle anderen. Fährt eine los, starten die anderen auch. Was aus der Luft betrachtet wie ein amüsantes Schauspiel aussieht, ist für den Trafoisten – das ist der, der den Trafo bedient – harte Arbeit und ein schier unerträgliches Maß an Verantwortung. Über 15 Jahre hat die Planung damals gedauert, bis die Logistik stand. Gleiche Abstände zwischen den Haltestellen, Einberechnung von Ampeln, Koordination der Fahrgäste. Eine Meisterleistung! Aber kreuzgefährlich wenn die Technik spinnt!

Der Kollaps von Chemnitz: Nur eine Frage der Zeit?

Doch heute? Heute ist das nicht mehr zeitgemäß und der Ausfall der Parkplatzanzeige beweist, dass Dinge, die heute noch einwandfrei funktionieren, morgen schon kaputt sein können. Einfach kaputt! Und dann ist keiner mehr Herr der Lage. Wie lange geht das noch gut? Wann geht das nächste Ding kaputt? Steht Chemnitz kurz vor dem Kollaps?

Falk Sieghard

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