Der Kosmos muss warten

Auch das Universum muss auf Chemnitz wartenIn den unendlichen Weiten des Küchwald, Lichtjahre von Baikonur und Cape Canaveral entfernt, liegt fernab der ausgetretenen Pfade ein Glanzstück deutscher Ingenieurskunst verborgen. Das Kosmonautenzentrum Küchwald 1 – einst das Tor zu einer anderen Welt – ist nunmehr seit über 20 Jahren gefangen in einem Dornröschenschlaf. An allen Ecken und Enden setzt Rost an, die Fenster zugenagelt und die Technik maßlos veraltet. Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass dort noch analog gearbeitet wird.

Seinen Anfang nahm diese Tragödie im Herbst ’89. Mit der friedlichen Revolution änderte sich alles, schlagartig! Vom einen auf den anderen Tag wollte niemand mehr in den Kosmos. Generationen von Kindern eiferten Sigmund Jähn nach und wollten genau wie er den Kosmos erobern. Doch urplötzlich galt alle Aufmerksamkeit nun dem Weltall! Das Konkurrenzsystem der Amerikaner ging als Sieger aus dem Kalten Krieg hervor. Der Kosmos verschwand auf dem Abstellgleis.

Doch es gibt Grund zur Hoffnung! Gerüchten zufolge plant Karl-Marx-Stadt sein Raumfahrtprogramm wieder aufzunehmen. Noch innerhalb dieses Jahres soll die Entscheidung fallen. Sigmund Jähn sitzt bereits im Vogtlandexpress, um am Wiederaufbau des Kosmodroms mitzuarbeiten. Seiner Meinung nach steckt noch viel Potential darin. Die Funktechnik sei zwar veraltet aber dennoch funktionstüchtig. Die Rechenmaschinen sind ebenfalls nicht auf dem Stand der damaligen Technik. Abhilfe soll hier das hiesige Industriemuseum mit der Bereitstellung von originalen Ersatzteilen schaffen. Und das Wichtigste: Die Rakete ist immer noch da, voll betankt und frisch lackiert.

Es könnte somit in kürzester Zeit wieder eine Rakete von Karl-Marx-Stadt aus in den Kosmos aufbrechen. Doch eine Frage bleibt weiterhin ungeklärt: Was das Ganze eigentlich soll? Die Stadtführung verweigert sich einer Antwort. Auch Sigmund Jähn weiß nur, dass er pünktlich bezahlt wird. Immerhin. Plant die Technische Universität eine eigene Raumstation? Ist es nur ein erster Schritt auf dem Weg zum roten Planeten? Oder will man sich einfach nur dieses ominöse Weltall aus der Nähe ansehen? Die Zeit wird es zeigen. Die Arbeiten sind in vollem Gange. Doch im Moment muss der Kosmos noch warten.

Falk Sieghard

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