Die Brücke in eine bessere Welt

Das Grab von Marx sorgt für Aufsehen in ChemnitzDer größte Traum von Karl Marx war ein recht pharaonischer. Wie im alten Ägypten wollte auch der Vordenker des Kommunismus in einer Pyramide begraben werden. Nicht als Tor zu den Sternen. Nicht um die Brücke zu einer anderen Welt zu schlagen. Sondern als Grundstein für seine neue Welt. Er wollte diese Brücke nicht nur betreten. Er wollte zu dieser Brücke werden! Generationen nach ihm sollten mit ihm den Weg in seine bessere Welt beschreiten. Was erschien da näher als ein Grabmal zu errichten, in dem er für alle Zeit konserviert Wegweiser aller zukünftigen Menschen sein könnte?

Er dachte häufig und ebenso laut über seine Vision nach. Dass er sie jedoch tatsächlich verwirklichen sollte, fiel ihm im Traum nicht ein. Der Zufall wurde schließlich zum Vater des Wunschgedankens. Er machte Bekanntschaft mit Lew Kerbel! Ein junger aufstrebender Architekt, der es Leid war, nur potemkinsche Dörfer zu erreichten. Als er erneut ein selbiges auch hier in der Stadt errichten sollte (den Artikel gibt es hier) traf er auf Marx und klagte über seine eintönige Arbeit. Marx wäre jedoch nicht Marx, wenn er nicht den Mehrwert in der Sorge des anderen erkennen würde. Bereits eine Fassbrause später war die Idee des Mausoleums geboren.

Die Bauarbeiten begannen schnell. In einem nahegelegenen Tagebau wurde heimische Bronze abgebaut. (Am Rande sei erwähnt, dass der Besitzer Peter Conti kurz nach Fertigstellung des Mausoleums Insolvenz anmelden musste, darauf spurlos verschwand und nur ein nach ihm benanntes Loch hinterließ.) Daraus wurde in einem Stück ein riesiger Abdruck des Marxschen Schädels gegossen – fest gemauert in der Erden so zusagen. Der Innenausbau erfolgte ausschließlich mit Rochlitzer Porphyr. Als Feind der Globalisierung achtete Karl Marx stets auf heimische Produkte. Die Fertigstellung sollte er jedoch verpassen, er war Ehrengast auf dem dritten Parteitag in Trier. Dennoch freute er sich ab diesem Moment auf seinen Tod, um den ersten Schritt in sein gelobtes Land zu unternehmen. Und so geht er ihn noch heute.

Falk Sieghard

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