Die Wiege des Liberalismus

Liberales Chemnitz: Vor 20 Uhr kann hier die Ruhe getrost gestört werden!Bisher verband man Karl-Marx-Stadt nicht gerade mit Begriffen wie Liberalismus oder Freiheit. Ganz im Gegenteil: Die erste Verfassung der Stadt beruhte nahezu 1 zu 1 auf dem Kommunistischen Manifest ihres Namensgebers. Jeder wurde darin zur Arbeit verpflichtet, die stets dem Wohl der Gemeinschaft und ganz besonders dem leiblichen Wohl der Genossen im Roten Turm – dem ideologischen Zentrum der Stadt – dienen sollte. Mit Hammer und Sichel in der einen und dem Parteibuch in der anderen Hand blieb keine Zeit, sich mit anderen Dingen zu beschäftigen. Marx ging vielleicht abends jagen – der Bürger konnte das nicht.

Doch mit dem Einzug der Piratenpartei in den Berlin Senate begann auch eine Kehrtwende des Denkens der Karl-Marx-Städter Genossen. Der Ausdruck der beliebtesten Tweets der anschließenden Wochen verriet der Partei, dass sich mit allgegenwärtiger Freiheit durchaus Politik machen ließe. Kurze Zeit später wurde schließlich auf dem XVI. Parteitag der Bezirkskommandantur beschlossen, dass es einen Beschluss zu fassen gilt! Der Liberalismus und damit auch die Freiheit des Einzelnen solle Einzug in Karl-Marx-Stadt halten!

Mittlerweile wurde die erste zeitlich begrenzte Unruhezone der Stadt eingeweiht. Bis in die Abendstunden hinein kann nun nach Lust und Laune die Ruhe gestört werden. Erst ab 20 Uhr wird diesem Experiment tagtäglich der Gar ausgemacht und die Ruhestörer werden wieder in ihre Schranken gewiesen. Sollte sich dieser Versuch als Erfolg herausstellen und die Bürger nach noch mehr Freiheit rufen, wird es eine zweite Unruhezone geben – allerdings mit umgekehrten Öffnungszeiten. So kann dann jeder und zu jeder Zeit nach Lust und Laune die Ruhe seiner Mitmenschen stören. Ungestraft. Ein Modell für Europa!

Falk Sieghard

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