Doch nicht Schluss mit lustig?

Die Tigerente – das Symbol der Revolution in Karl-Marx-StadtIst bald schon wieder Schluss mit Schluss mit lustig? Noch vor kurzem wurde an dieser Stelle davon berichtet, dass in Karl-Marx-Stadt wehrlose Stofftiere ihr jähes Ende finden mussten. Verwahrlost in schäbigen Mülltonnen, abgeschoben auf trostlose Deponien, zu Asche zerfallen in gnadenlosen Verbrennungsanlagen. Schuld daran ist die Krise, die selbst vor den Kleinsten unserer Gesellschaft keinen Halt mehr macht. Das Ende der Spaßgesellschaft war erreicht.

Doch es tut sich etwas in der Stadt! Gerüchte machen sich breit. Ein Gespenst geht um in Karl-Marx-Stadt. Das Gespenst der Revolte! Öffentliche Auftritte scheuen die Aufrührer noch, doch das Symbol des Widerstandes ist schon an einzelnen Häuserwänden zu sehen: die renitente Tigerente. Auf Rollen kommt sie daher, scheinbar willenlos gezogen an einem Strick. Doch in ihr steckt großes Streitpotential. Einerseits der Tiger. Der sympathische kleine Meister Tatze, der sich schnurrend auf dem Bauch liegend ausgiebig streicheln lässt und ab und zu nach einer Fliege hascht. Die tierifizierte Konformität. Und auf der anderen Seite die Ente. Borstiges Federvieh mit wehrhaftem Schnabel und durchdringendem Gegacker. Eisiger Blick, wachsames Auge, rücksichtsloses Gewatschel. So wird aus einem Tiger und einer Ente ein höchst ambivalentes Geschöpf, ein Chimäre der Neuzeit, Minotauros im Fellmantel.

Unter diesem Banner, dem Banner der Tigerente versuchen junge Bewohner sich gegen die Folgen der Krise zu stemmen und Lobbyarbeit für die Kinder der Stadt zu betreiben. Sie ziehen des nachts um die Häuser und befreien achtlos weggeworfene Stofftiere aus ihrem sicher geglaubten Grab. Als Reinkarnationshelfer totgeglaubten Spielzeugs versuchen sie, den Kindern das Wenige an Lebensqualität zurück zugeben, was ihnen noch geblieben war. Bisher noch ein Kampf gegen Windmühlen doch die Flaute lauert schon hinter dem Berg. Die Botschaft lautet daher: Zeigt euch solidarisch! Zieht euch Enten- und Tigerkostüme an, schnallt euch Rollen an die Füße oder lasst euch an einem Strick über den Markt zerren. Die Stadtmutter soll sehen, dass das Ende der Fahnenstange viel zu unbequem ist. Der Griff zur Tigerente ist nur der Anfang. Denn mit lustig darf niemals Schluss sein!

Falk Sieghard

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