Posaune vs. Lángos

Deutsches Musikfest stößt in Chemnitz auf taube OhrenEine Woche lang stand die Stadt im Zeichen der Musik. Im Zeichen der Blasmusik! Das Deutsche Musikfest nahm jeden auch nur ach so kleinen Veranstaltungsort in Beschlag. Überall in der Stadt sang es und klang es. Laut einigen Zahlen wurde sogar die magische Grenzen der 1 Million Besucher geknackt. Das Bier floss in Strömen und die Musiker blusen sich die Lippen wund. Ein voller Erfolg möchte man meinen! Ein voller Erfolg?

“Smoke on the Water” würde sich im Grab umdrehen

Wohl kaum. Zwar waren Massen in der Stadt, aber nicht wegen der Musik. Es ist keine Untertreibung, dass das Interesse für das Musikfest gegen Null ging, wenn nicht noch darunter. Die Meisten kamen nicht, um sich Smoke on the Water zum x-ten Mal als Blechblasversion anzuhören, sondern wegen des gastronomischen Rahmenangebotes. Roster, Döner, Zuckerwatte – Softeis, Waffeln, Mutzbraten. Das waren die Highlights des Festes. Tuba, Trompete, Spielmannszug? Nein Danke, kein Interesse! Klar, dass die Enttäuschung in der Stadt groß ist. Ein Offizieller (Er möchte allerdings ungenannt bleiben, also nennen wir ihn nicht einen Offiziellen sondern einfach) Irgendeiner bringt es auf den Punkt:

“Die Leute kommen nur um zu fressen! Die haben von Tuten und Blasen keine Ahnung, aber regen sich über die ‘scheiß Musik’ auf. Was soll man dazu sagen? Wenn die Leute nicht gewesen wären, hätten wir ein schönes Fest haben können.”

Eins wird dabei natürlich verschwiegen. Die Einnahmen der ganzen Woche sprengen jede Hoffnung, die man sich vorher gemacht hat. So kam es an einigen Stellen sogar zu Engpässen im Nachschub. Da klingelt das Stadtsäckl, aber kommuniziert werden darf sowas nicht.

Chipsfresser und andere Musikignoranten in Chemnitz

Sind die Leute nun alles Banausen? Ignorante Radiohörer, die handgemachte Blasmusik nicht zu schätzen wissen? Chipsfressende Passanten, für die ein Lángos mit Käse und Schinken immernoch ein lohnenswertes Ausflugsziel darstellt? Oder tangiert das altehrwürdige Handwerk der Blechbläserei die Menschen gar nicht mehr? Vielleicht hätte man die Musikverweigerer einfach mal fragen sollen. Doch wer lässt sich schon gern von einer wandelnden Knoblauchfahne mit “Also wenn de Helene Fischer dagewesn wär.” oder “Dor Maik hat gesagt, mir treffen uns vorm REWE zum Bier trinken.” vollquatschen. So bleibt das Rätsel ungelöst und das nächste Musikfest im nächsten Jahr in der nächsten Stadt wird wohl oder übel das gleiche Schicksal ereilen: Viele Leute, hoher Umsatz, traurige Musiker mit hängenden Fanfaren. Hossa!

Falk Sieghard

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