Schilda wird Partnerstadt

Neue Partnerstadt von ChemnitzIm Machtzentrum der Stadt hatte man sich lang und breit mit diesem Thema beschäftigt. Denn zum guten Ton einer jeden Metropole gehört es, sich mit den Namen seiner Partnerstädte zu schmücken! Am besten noch international und je größer desto besser.So machen es Berlin, Hamburg, München und Frankfurt. Also warum nicht auch Karl-Marx-Stadt? Ohne große Umschweife begab man sich nun auf die Suche nach einer geeigneten Partnerstadt. Die war schnell gefunden: Schilda war auf gleicher Mission unterwegs. Gesucht und Gefunden! Kurz bevor dann sämtlichste Planungen abgeschlossen werden sollten – Beschilderung, Zeremonie, Straßenumbenennung – brachte ein durchaus patenter Abgeordneter des städtischen Parlamentes eine ganz neue und vor allem einzigartige Idee aufs Tapet: Warum immer alles den anderen nachmachen und langweilige Schilder an jedem x-beliebigen Ortseingang aufstellen? Wieso nicht einmal neue Wege gehen und dem eigenen Titel “Stadt der Moderne” gerecht werden? Der Plan sah schließlich vor, das Motto der Partnerstadt in die eigene Urbanität zu integrieren. Ein Stück Savoir Vivre von Schilda in Karl-Marx-Stadt. Spitzen Idee soweit!

Karl-Marx-Stadt macht Schilda Konkurrenz

Symbolischer Beginn der partnerschaftlichen Verbundenheit ist nun die Installation zweier sich gegenseitig ausschließender Verkehrsschilder. Es betrifft einen Fußweg in der Nähe des Hauptbahnhofs. Einerseits werden Fußgänger dazu aufgefordert, den Weg zu nehmen, da er ausschließlich für sie gemacht ist. Auf der anderen Seite wird es ihnen strikt untersagt, selbigen zu nehmen. Was für ein Paukenschlag der Verwirrung! Selbst der fischelanteste Schildbürger blickt auf dieses Meisterwerk der Paradoxie. Viele Bürger, die sich lediglich auf den Weg zu ihrem Zug machen wollten, stehen seit Tagen verstört am Anfang dieses (Nicht-)Fußweges. Befolgt man das eine Schild, verstößt man gegen das andere. Und umgekehrt. Gehen oder stehen, egal wie man sich entscheidet, man tut das falsche. Das DRK hat mittlerweile eine kleine Zeltstadt vor Ort errichten lassen, um wenigstens die Grundversorgung für die Gestrandeten zu gewährleisten. Für nächste Woche ist bereits ein Benfizkonzert der Band The Clash geplant, die mit ihrem Titel “Should I stay or should I go” den Soundtrack für dieses Ereignis liefert.

Noch keine Lösung für das Dauerdilemma

Doch eine Lösung ist das nicht. Aus einer findigen Marketingidee ist ein handfestes Problem für die ganze Stadt geworden. Der Pachtvertrag für die Schilder läuft noch bis Ende des Jahres, der für die Städtepartnerschaft noch bis 2018. Schilda wird hier sicherlich ein Wörtchen mit zu reden haben wollen. Und so muss eine dauerhafte Umgehungsvariante gefunden werden. Es könnte auf eine Brücke hinauslaufen, die alle Neuankömmlinge um diese Gefahrenstelle herumführt. Kostengünstiger wäre die Alternative eines Shuttlebusses, der sich jedoch negativ in der Feinstaubbilanz der Stadt niederschlagen dürfte. Dagegen laufen die Grünen Sturm. Noch beräht die Stadtmutter mit führenden Experten. Und noch warten viele Karl-Marx-Städter verzweifelt vor diesen beiden Schildern auf ihre Befreiung. Die Zeit läuft.

Falk Sieghard

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