Schluss mit lustig

Karl-Marx-Stadt entsorgt seine StofftiereWir Erwachsenen leiden schon längst darunter. Kein Tag vergeht mehr, ohne dass Politik und Medien uns daran erinnern. In den Gehirnen eines jeden Einzelnen hat es sich eingebrannt: Es ist Krise! Wir haben Krise! Wir sind Krise! Zusätzlich kommt die Krise immer näher und spielt sich nicht mehr nur im fernen Ausland ab. Aus den Lautsprechern der Kneipen tönt spanische Musik und Little Italy gibt es bald auch in Karl-Marx-Stadt. Die Stadtmutter kann sich nur noch nicht für den passenden Stadtteil entscheiden. Griechische Restaurants prägen das Stadtbild und irische Butter hat schon längst die Kühlregale erobert. Wir sind Krise und Karl-Marx-Stadt steckt mitten drin. Erst traf es die Angestellten der hiesigen Girokassen, die scheinbar Schuld an dem ganzen Schlamassel haben. Dann die Konsumbetreiber, denn ohne Geld bleibt einem selbst die preiswerteste Kaufhalle verschlossen. Und jetzt trifft es die Schwächsten in unserer Gesellschaft, die Sprösslinge der Keimzelle, die Absicherung unserer Rente. Es trifft die Kinder! Die, die wohl am wenigsten Schuld am Bankrott ganzer Staaten tragen, bekommen nun die Fehler anderer zu spüren. In den Kindergärten hat es begonnen. In den Kinderzimmern nimmt es nun seinen Lauf. Für die Haltung von Stofftieren bleibt den meisten Familien kein Geld mehr. Essen oder kuscheln heißt die Devise. Der Spaß hat ein Ende. Es ist Schluss mit lustig! Doch das ist nur der Anfang einer traurigen Spirale. Denn mit der Entsorgung überdimensionierter Stofftiere aus ganz Chemnitz ist es bei weitem nicht getan. Die wehrlosen pelzigen Freunde werden in große Müllfahrzeuge gesperrt und zur nächst gelegenen Deponie verfrachtet. Dort fristen sie ihr Dasein, wartend auf ihre Verrottung, die tausende von Jahren in Anspruch nehmen kann. Gedankt sei es den immensen Fortschritten bei der Herstellung von Werkstoffen wie Igelit. Erleichtern diese uns auf der einen Seite den Alltag, blockieren sie auf der anderen Seite unsere Mülldeponien. Wieder einmal werden dem Menschen seine Grenzen aufgezeigt. Und wieder einmal hat er sie überschritten. Die Leidtragenden sind dabei wie so oft die Kinder.

Falk Sieghard

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