Trockene Zeiten

Grobe Mängel in der Infrastruktur von ChemnitzGefahr ist in Verzug. Karl-Marx-Stadt droht eine humanitäre Katastrophe ungeahnten Ausmaßes! Das Aquädukt der Stadt zeigt nicht mehr nur Risse. Mittlerweile haben sich 2 große Löcher gebildet, aus denen ohne Unterlass raue Mengen des lebensspendenden Nasses hinunter stürzen. Jahre der Vernachlässigung zeigen nun die Kehrseite der Kosteneinsparung. Seit langem sparen die Stadträte an allen Ecken und Enden. Kindergärten werden geschlossen, Einkaufszentren öffnen nur noch bis 20 Uhr und Fußballstadien werden nicht größer gebaut als nötig. Man könnte meine Ebenezer Scrooge selbst wäre Oberhaupt der Stadt. Doch der Geiz kommt nicht von ungefähr.

Vor langer Zeit lebte Karl-Marx-Stadt noch im Überfluss. Es gab Wasser für alle das nach Lust und Laune verschwendet werden konnte. Gegessen wurde nur die Hälfte, der Rest konnte achtlos weggeworfen werden. Die Straßen waren – so erzählte man sich im ganzen Land – aus purem Damast gesäumt von Gehwegen aus Brokat. Sogar Fernzüge hielten in der Stadt. Alle genossen diese Hochzeit der spätrömischen Dekadenz. Keiner vermochte sich deren Ende nur vorzustellen. Aber es war bereits näher, als erhofft. Arbeitsplätze gingen verloren, die Kaufkraft verließ Karl-Marx-Stadt. Straßen wurden verkauft an Künstler, Politiker und Fabrikanten, die seitdem ihre Namen tragen. Schließlich fuhr nunmehr auch die Bahn einen großen Bogen um die Stadt, der Bahnhof steht kurz vor seinem Ende. Und nun wird auch noch das Wasser knapp. Nachdem die Infrastruktur jahrelang vernachlässigt wurde, gibt auch eines der ältesten und wichtigsten Gebäude der Stadt den Geist auf und streckt die Segel. Das letzte verbliebene Aquädukt kann und will nicht mehr.

Für die tapferen Einwohner bedeutet dies weitere Einbußen ihrer Lebensqualität. Die Karl-Marx und der Schlossteich werden wie zu Zeiten August des Starken zu Sammelplätzen der Hygiene. Verschmutzte Kleidung, dreckiges Geschirr und verschwitzte Menschenkörper werden versuchen, sich die reinigende Wirkung dieses natürlichen Nass zu Nutze zu machen. Die Stadt wird im Dreck versinken. Zeiten, die als vergessen galten. Und das alles wegen unüberlegten Haushaltseinsparungen. Eine Stadt spart sich kaputt und ihre Bürger sehen hilflos zu. Wenn irgendwann alle Kredite bedient sind, wird man merken, dass man einen ausgeglichenen Haushalt nicht essen kann!

Falk Sieghard

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