Vom ewig besseren Früher

Forum in Chemnitz zur Frage, ob früher alles besser war

Vorgestern ging in Karl-Marx-Stadt das “186. Ideologische Gründerforum” zu Ende. Viele Vordenker unserer Zeit trafen sich in der Stadthalle, um über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft unserer Gesellschaft zu debattieren und ihre Ideen für neue Ideologien dem geneigten Fachpublikum zur Diskussion zu stellen. Besonders spannend erwies sich ein Gespräch zwischen zwei Diskutanten, die mit ihrer intellektuellen Weitsicht, medialen Omnipräsenz und Multisensoriabilität das Publikum zu begeistern wussten. Ralesko di Michaelis und Flakov Gruschnev sorgten für ein Feuerwerk der Dialektik. Im Folgenden soll nur ein kurzer Auszug wiedergegeben werden, um für die Nachwelt zumindest die Lösung eines Problems zu erhalten, das die Menschheit seit ihren ersten Atemzügen zu plagen pflegte! Tauchen Sie nun ein in die Gedanken dieser beiden Männer und lassen Sie sich von einer Sorge entledigen: Wie wird unsere Zukunft aussehen?

di Michaelis: Wissen Sie, ich wage zu behaupten, dass früher alles besser war.

Gruschnev: Nun, ich möchte ihnen beipflichten und implizieren, dass ich wohl gern im Früher gelebt hätte. Allein um der Vorfreude auf eine glorreiche Zukunft willen.

di Michaelis: Die Freude darauf war auch nur im Früher möglich. Denn heute leben die Menschen nur noch in Angst vor dem Morgen, die sich verstärkt in der retrospektiven Bewusstmachung des Gestern.

Gruschnev: Mir scheint, als handele es sich um einen Teufelskreis. Meinen Sie nicht auch, dass sich die Leute des Früher ebenso nach früher sehnten? Nur war dieses Früher nicht unser heutiges Früher sondern das Früher von früher. Das Früherfrüher demzufolge. Und die Angst der früheren Menschen vor dem Morgen bezog sich somit auf das heutige Heute. Am Ende bleibt jedoch nur eins: Früher war alles besser!

di Michaelis: Nach ihrer illustren Darstellung spüre ich eine mir bisweilen unbekannte Sehnsucht nach dem Früherfrüher.

Gruschnev: Nicht ohne Grund. Denn wenn es schon früher besser war, um wie viel ist es dann im Früherfüher besser?

di Michaelis: Lieber Freund mir stellt sich eine andere Frage. Lässt sich denn nun aus unseren Überlegungen heraus ein Zustand definieren, der es würdig wäre, das Attribut “am besten” zu tragen? Anders formuliert: Worin liegt der Superlativ des Seins?

Gruschnev: Wenn wir unsere Gedanken zu Ende führen, müsste dieser Punkt im Ganzfrüher zu finden sein. Dies wiederum führt uns zu einer wahrlich schrecklichen und zugleich traurigen Erkenntnis. Liegt der Superlativ des Seins im Ganzfrüher und wir postulieren die Regelmäßigkeit des besseren Früher, so ist die Geschichte der Menschheit und der Zeit eine Geschichte des kontinuierlichen schlechter Werdens. Lassen Sie uns diesen Gedanken weiterspinnen und es stellt sich die Frage, um wie viel es schlechter werden kann bis es nicht mehr schlechter werden kann?

di Michaelis: Faszinierend! Ebenso lässt sich feststellen, dass die Aussage “Schlimmer kann es nicht mehr werden.” bereits im Moment des Aussprechens falsifiziert wird, da es doch nach unserer Theorie selbst mit jeder neuen Sekunde schlechter wird.

Gruschnev: In der Tat! Denn in dem Moment, in dem diese Aussage verifiziert werden würde, wäre doch wohl das Ende der Welt erreicht.

di Michaelis: Merken Sie welch intellektuelle Leistung wir hier soeben erbracht haben? Oft wird in den unzähligen Gesprächsrunden der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten doch von einem Verfall der Gesellschaft gesprochen. Diesen haben wir beide just in diesem Moment wissenschaftlich erörtert, historisch belegt und somit ein weiteres Naturgesetz postuliert, ganz in der Tradition Newtons und Einsteins! Nicht nur der Apfel fällt zwangsläufig, sondern auch die Güte des Lebens!

Gruschnev: Wir sollten diesem neuen Naturgesetz einen Namen geben. Lassen Sie es uns das di-Michaelis-Gruschnev-Axiom nennen! Es wird die Welt revolutionieren und uns beiden einen glorreichen Abend in Oslo bescheren. Schließlich kann das Nobelpreiskommitee über solch eine Erkenntnis nicht hinwegsehen.

di Michaelis: Ich muss gestehn, eine entsprechende Rede genau für einen solchen Moment bereits verfasst zu haben.

Wir dürfen gespannt sein, wie diese Erkenntnis unser Leben nachhaltig verändern wird!

Falk Sieghard

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